Samples, Stems und Diebstahl in der Musikbranche

17. Januar 2019

Und wie wir es dabei schafften, nicht einmal Die Prinzen zu zitieren

 

 

Es wird wohl einer der unangenehmeren Gänge für Jimmy Page und Robert Plant werden. Erneut müssen sie sich vor Gericht verantworten und wieder geht es um ihren wohl größten Hit Stairway To Heaven. Zwar hatte bereits 2016 ein Gericht im Urheberstreit zu ihren Gunsten entschieden, doch damals war es den Geschworenen nicht erlaubt gewesen, die beiden Musikstücke im Gerichtssaal zu hören. Grund: Das Urheberrecht schützt erst seit 1976 Tonaufnahmen, vorher fielen darunter nur Noten. Nun soll allerdings auch anhand der Originalaufnahme geklärt werden, ob sich Led Zeppelin bei dem Instrumental Taurus der Band Spirit bedient hatte.

Auch wenn das erneute Verfahren gegen die Alt-Rocker wohl eher zur Schattenseite der Musikbranche zählt, so ist es dennoch keine Seltenheit. Allein die Band Led Zeppelin musste sich bereits mehrfach vor Gericht in Urheberrechtsfragen verantworten – meist endeten diese Verfahren in einem Vergleich. Auch in der Pop-Musik sind solche Urheberrechtsverletzungen keine Seltenheit – Pharell Williams und Robin Thicke mussten beispielsweise den Nachkommen des verstorbenen Soulbarden Marvin Gaye eine millionenschwere Entschädigung entrichten.

 

 

And if you listen very hard / The tune will come to you at last

Led Zeppelin – Stairway to Heaven

 

 

Noch absurder klingt wohl Deutschlands bekanntester Urheberrechtsstreit. Seit fast 20 Jahren streiten sich die Elektro-Avantgardisten von Kraftwerk mit dem Produzenten und Songschreiber Moses Pelham, weil dieser zwei (in Worten „zwei“; in Zahlen auch) Sekunden ihres Songs Metall auf Metall für den Track Nur mir von Sabrina Setlur samplete. Mittlerweile beschäftigt der Prozess nicht nur den Bundesgerichtshof, sondern auch das Bundesverfassungsgericht und erst kürzlich wurde er dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt.

Kraftwerkgründer Ralf Hütter sagte gegenüber Spiegel-Online: „Klänge, die wir erarbeitet haben, das ist wie ein Garten. In unserem Garten kann man nicht einfach die Blumen rausreißen und woanders weiterzüchten, in irgendwelchen Schlagern oder Kommerzprodukten.“ Kurios ist an der ganzen Sache auch, dass wohl beide Songs, insbesondere der Setlurs, nach und nach in Vergessenheit geraten worden wären, könnte man die Titel nicht ständig im Zusammenhang mit dem Prozess lesen. Gerade wenn man sie durch die gängigen Suchmaschinen jagt, erhält man zuallererst Treffer, die sich auf den laufenden Prozess und das jeweils andere Musikstück beziehen. Unabhängig also, ob im Streit rein finanzielle- oder künstlerisch-moralische Motive im Vordergrund stehen, muss festgehalten werden, dass zumindest der Prozess die Gärten beider Interpret*innen fleißig wässert – um bei der Metapher zu bleiben.

 

 

Wir stehen uns nur im Weg, ich kann und will dir nix mehr geben

Sabrina Setlur – Nur mir

 

 

Neben einer Urheberrechtsreform in Europa könnten auch Plattformen wie Sounds.com oder Splice Sounds mehr Klarheit, Transparenz und Gerechtigkeit in das Geschäft mit den Tonschnipseln bringen. Hier sieht die Journalistin Cheri Hu in ihrem Forbes-Artikel die Zukunft der Musik. Nachdem Downloadplattformen die Alben in Songs zerstückelten, Streamingdienste Songs in Playlisten neu kombinierten, sollen oben erwähnte Plattformen Songs in Stems und Sounds zerlegen. Nutzer*innen können nach dem Entrichten einer Abo-Gebühr legal auf Schnipsel verschiedener Musik zugreifen und sie zum Komponieren und Zusammensetzen eigener Musikstücke verwenden. Urheber*innen der Originaltitel erhalten später von der Plattform einen Anteil, je nach Häufigkeit des Downloads des entsprechenden Samples.

Da Led Zeppelin schon seit Jahrzehnten keine neuen Songs mehr schreiben, kommt für sie diese Inspirationsquelle wohl ein wenig zu spät. Aber Plant und Page haben wahrscheinlich gerade auch andere Sorgen.

 

FE